Heidelberg – Ein Gesamtkunstwerk

Heidelberg ist eine historische Stadt. In seiner Kultur und Naturlage ist es ein Gesamtkunstwerk. Es ist eine geschlossene Einheit, vergleichbar einem Gemälde. Das Kunstwerk Heidelberg wurde architektonisch gesehen vor dem Ersten Weltkrieg „abgeschlossen“ (Florenz, Siena oder Venedig schon vor Jahrhunderten). Bei solch einem Kunstwerk baut man nichts mehr dazu – ganz so, wie man bei einem Gemälde von Leonardo da Vinci oder Sandro Botticelli nichts mehr dazu malt. Um Heidelberg zu bewundern, kommen jährlich Millionen Menschen hierher. Wir setzen uns dafür ein, dieses besondere Kulturgut möglichst unverändert auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

Kultur

Wir brauchen heute ein Gleichgewicht zwischen der notwendigen Erhaltung des kulturellen Erbes unserer Stadt und der lebenswichtigen Unterstützung der Gegenwartskultur. Neben den traditionellen Kultureinrichtungen und einem international ausgerichteten Kulturangebot muss die Kulturförderung auch der „Regionalkultur“ zu Gute kommen, insbesondere der freischaffenden Kleinkunstszene und der schöpferischen „Nischenkultur“. Kultur bedeutet für uns die Verbesserung von Lebensqualität, nachbarschaftlicher Nähe, Toleranz, Weltoffenheit und das Bestreben, das Leben in einer historischen Stadt bewusst zu gestalten.
Kultur ist für uns ein ganzheitlicher Begriff, der die Pflege von kulturellen Traditionen bis hin zur aktuellen integrativen Kulturpolitik (Interkulturelles Zentrum) und einen Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen, einschließlich der Kirchen umfasst. In dieser über-individualisierten Gesellschaft wollen wir reibungslos und vollständig Nachbarschaftshilfe zukommen lassen - jedem Vergessenen, jedem Verlassenen, einsamen Alten und jedem kranken Kinde. Von elementarer Bedeutung ist für uns neben dem Historisch-Gebauten die Erhaltung unserer lieblichen Natur mit ihren Baumbeständen und Grünanlagen. Beide zusammen bilden die Heidelberger Stadt-Landschaft als Gesamtkunstwerk.

Wohn- und Familienort

Heidelberg ist nicht vorrangig Tourismus- und Vergnügungsstätte, sondern in aller erster Linie Familien- und Wohnort. Es sollte ein Ort sein, an dem sich unsere Kinder frei bewegen können, ohne durch den motorisierten Verkehr ständig gefährdet zu sein. Ebenso setzen wir uns ein für einen weiteren Ausbau von barrierefreien Bewegungs- und Verkehrsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.
Angesichts der Belästigung durch Lärm, Müll und Radau, besonders nachts und am Wochenende, besteht in der Altstadt noch immer dringend Handlungsbedarf. Hier muss ein zufriedenstellender Kompromiss zwischen Gastronomie und Vergnügungsangebot zum einen und Nachtruhe der Altstadtbewohner und Hotelgäste zum anderen gefunden werden. Belästigender Lärm ist akustische Umweltverschmutzung: Ein Zustand, der auch sehr zu Lasten der Attraktivität Heidelbergs für den „sanften Tourismus“ geht.
Unser Vorschlag: Eine neue Plattform „Stadtökologie“ (etwa beim städtischen Agenda-Büro angesiedelt), die sich als eigenständige Dauereinrichtung verstärkt um dieses Problem kümmert. Ein speziell dafür geschultes Team soll einen sozialpädagogisch-kommunikativ angelegten Handlungsfaden entwickeln, der als verbindliches Programm umgesetzt werden sollte – in enger Zusammenarbeit mit Wirten, Kommunalem Ordnungsdienst (auch mit Streetworkern) und Polizei. Dieses Projekt – klug umgesetzt – kann ein Vorbild für urbanes Leben und Stadtkultur im 21. Jahrhundert werden.

Verkehr

Heidelberg ist eine barocke Stadt, gebaut auf mittelalterlichem Grund. Ihre engen Gassen und die wenigen kleinen Plätze sind für eine begrenzte Anzahl von Menschen angelegt. Eine solche Stadt kann nicht autogerecht umgebaut werden. Deswegen brauchen wir mehr Straßenbahnen und Busse und beim Pkw-Verkehr eine konsequente Förderung des Car-Sharing. Als erste Maßnahme muss nun endlich die Straßenbahn ins Neuenheimer Feld und in die Bahnstadt kommen und das Mobilitätsnetz realisiert werden. Dazu brauchen wir dringend die versprochenen Landeszuschüsse.
Für unsere fahrradfreundliche Stadt Heidelberg wäre es wünschenswert, wenn von städtischer Seite für die so wichtige Radsicherheit – vor allem für das Tragen von Helmen – bereits in den Schulen geworben wird. Außerdem wäre bei der Beschilderung der Einbahnstraßen der Hinweis auf den gleichzeitig zulässigen Radverkehr sehr erwünscht.
Wir von der Kulturinitiative „Heidelberg Pflegen und Erhalten“ sind gegen die Straßenbahn in der Friedrich-Ebert-Anlage, weil diese Verkehrsführung eine nicht vertretbare Beeinträchtigung mit sich bringen würde: Viele Bäume in der Anlage müssten geopfert werden, die Straße mit ihren großartigen Patrizierhäusern würde sehr an Charakter verlieren, der Kirchhof der Peterskirche würde noch stärker eingeengt und der Universitätsplatz zu einem Rangierbahnhof degradiert werden.
Ebenso sind wir gegen eine fünfte Neckarbrücke, da diese noch mehr Autoverkehr in das Neuenheimer Feld (mit wachsendem Parkflächenbedarf) ziehen und für Wieblingen noch mehr Verkehrslärm und die Zerstörung des Naturschutzgebiets bedeuten würde.

Wohnen

Der Wohnungsmarkt, besonders die Mietpreise, ist das eigentliche Hauptproblem, das die Menschen in unserer Stadt sehr stark bewegt.
Der Bedarf an Wohnungen kann – angesichts der weiterhin rasant wachsenden Stadtbevölkerung – nicht allein durch die Konversionsflächen gedeckt werden, wo 2400 Wohnungen entstehen sollen. Heidelberg muss laut der Wohnraumbedarfsanalyse bis 2030 insgesamt 6200 Wohnungen bereitstellen. Bei allen Planungen müssen wir besonders darauf achten, dass genügend preiswerter Wohnraum für 5 – 7,50 €/m² geschaffen wird. Dabei denken wir vor allem an altersgerechte Wohnungen, die Schaffung von Mehrgenerationenhäusern, kinderfreundliche Wohnungen und die Möglichkeit für junge Familien, preisgünstiges Eigentum zu erwerben. Außerdem soll dauerhaft ein zusätzlicher Wohnraum für Studenten eingeplant werden, wenn die Zwischennutzung in den Konversionsflächen ausläuft.
Deshalb muss sich die Stadtverwaltung für eine deutliche Ausweitung des Angebots an preisgünstigen Wohnungen einsetzen. Zu allererst sollte diese Umsetzung auf den Konversionsflächen realisiert werden.
Die Mietpreisentwicklung stellt hier eine große Herausforderung für unsere Kommunalpolitik dar.

Schule und Ausbildung

Wir begrüßen die überzeugende Initiative der Stadt zum Ausbau der Ganztagsschulen mit Betreuung bis 17 Uhr.
Wichtig für uns ist eine gute und „ökologische“ Verpflegung in den dafür zu schaffenden Räumlichkeiten.
Alle Ganztagsschulen sind für uns auch Inklusionsschulen. Dafür müssen sowohl Räume geschaffen als auch gut ausgebildete SonderschullehrerInnen eingestellt werden. Dies wäre für uns ein wünschenswertes Schulsystem, jedoch nur eine von mehreren Möglichkeiten, aus denen die Eltern für ihre Kinder die passende auswählen können.
Ganz wichtig ist uns, dass die Ausbildung an den Berufsschulen weiter gefördert und entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden.
Das G 8 Abitur lehnen wir ab. Kinder und Jugendliche müssen Zeit haben für Bereiche, die nicht mit der Schule zu tun haben, damit sie sich in ihrer Persönlichkeit frei entwickeln können.
Den musisch-künstlerischen Fachbereichen, die das Fundament der „Ästhetischen Erziehung“ bilden, sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt und ihre Finanzierung gewährleistet werden.

Heidelberg darf keine „City“ werden!

Seit einigen Jahren sehen wir, wie eine organisierte Vermarktung die historischen Städte „modernisiert“. Es werden immer mehr Bauprojekte gestartet, die sich in das historische Umfeld überhaupt nicht einfügen, z. B. der massive Schlosshotel-Komplex, die kalkweißen Häuser im Standardtyp an der Neuenheimer Landstraße oder etwa die - ohne Rücksicht auf das Jugendstildenkmal - erstellten An- u. Nebenbauten am Alten Hallenbad in Bergheim und die kolossalen Justizbauten in der Bahnhofstraße. Eine massive Störung des Stadtbildes liefert der Theaterneubau mit seinen seriell eng gegliederten Seitenfronten, seinem die Dächerlandschaft zerstörenden Flachdach und den überhöhten Baukörpern.
Außer Beeinträchtigungen durch Neubauten lehnen wir auch Neugestaltungen von Stadtplätzen, Straßen und Grünanlagen sowie die Möblierungen in globaler „City-Ästhetik“ ab, da sie Stadtbild und Ortscharakter verfremden.
Wir denken etwa an:
- die Gestaltung des Friedrich-Ebert-Platzes inmitten von historischem Ambiente mit dem versiegelten, klinisch-steril wirkenden Steinplattenboden, den surreal überhöhten Industrieleuchten und den nichtssagenden Zugangsbauten zur Tiefgarage,
- das flaschengrüne, überhöhte Wartehäuschen auf dem Neckarmünzplatz im Glas-Container-Typus,
- die Gestaltung von Rohrbach-Markt mit seinen kahlen Mastleuchten in kaltem Blaulicht, die den Platz durch einen industriemäßigen Gesamtcharakter abwerten,
- die giftgrüne containerartige „Pausenhalle“ an der Tiefburg-Schule.

Ebenso unakzeptabel für uns sind Lichtinstallationen, die durch maßlose Über-Strahlung, Energieverschwendung und „Lichtverschmutzung“ die Umwelt schädigen und mit ihren grellen Buntfarben das natürliche Stadtbild verzerren.
Hier denken wir an:
- die maßlos weiß strahlende Nachtbeleuchtung an der Alten Brücke, die zudem die Form des Baudenkmals verzerrt,
- Beleuchtungskonzepte mit Lichtstelen bzw. Lichtaugen wie jetzt am Theaterplatz,
- poppig-bunte Lichtmarker an historischen Fassaden (geplant für den Marktplatz)

„Citymäßig“ wirken auch die Stadtbild verunstaltenden Plakatierungen und Werbeanlagen und die leuchtenden Mega-Reklametafeln. Eine negative Folge der citymäßigen Überfrachtung ist auch der überhöhte Lärmpegel bei werbegesteuerten Events und besonders in der Altstadtszene mit „Lärm, Dreck und Randale“ – tausendfach von Bewohnern und Touristen beklagt. Dringendes Handeln ist hier angesagt.

Bürgerbeteiligung

Bürgerbeteiligung ist eine positive Widerstandskultur gegen fortschreitende Ökonomisierung unserer Gesellschaft. Damit kann eine kritische Bürgerschaft von politisch Wissenden auch konkret Widerstand leisten gegen überholtes Fortschrittsdenken und wachstumsgläubigen „Modernismus“, die die Kommunalpolitik zunehmend für die Interessen der Marktes einspannen. Im Dienste des Gemeinwohls darf das „Modell der Bürgerbeteiligung“ nicht zu einem „schein“-bürgerlichen Instrument zu Gunsten von Klientelinteressen verkommen. Wir treten dafür ein, dass Heidelberg die „Bürgerbeteiligung“ als Vorzeigemodell in ganz Deutschland nachhaltig vertritt.

Kongresszentrum

Das Thema Kongresshaus erhitzt noch immer die Gemüter in Heidelberg. Die große Auseinandersetzung um die Stadthallenerweiterung 2009/10 sollte endlich der Vergangenheit angehören und nicht erneut aufgerollt werden.
Der Gemeinderat beschloss kürzlich die Notwendigkeit eines Kongresszentrums. Eine Findungskommission ist dabei, den passenden Standort zu ermitteln. Wir von der Kulturinitiative machen unsere Zustimmung von Standort und Finanzierungsart abhängig. Ein Standort an einem der Stadtseite zugewandten Platz in der Nähe des Hauptbahnhofs wäre für uns denkbar, so wie es vor einigen Jahren vom Gemeinderat selbst beschlossen worden war. Der entscheidende Vorteil hierbei ist, dass man schnell und mühelos per Bahn oder zu Fuß in die Innenstadt gelangen kann.

Bürgerhaus – Kulturstätte – Bürgerpark

Zusätzlich zum großen, international ausgerichteten Kultur- und Literaturhaus, dem Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) benötigt die Stadt an der Stelle des abgerissenen Kinos Harmonie/Lux eine neue kulturelle Einrichtung. Hier soll ein offenes Bürgerzentrum ohne Konsumzwang mitten in der Altstadt entstehen, Versammlungsraum und sozialintergrativer Ort für die Bürger und ebenso genügend Raum für Literatur, Lesungen und Vorträge. Auf dem neu zu gestaltenden Theaterplatz soll endlich ein echter „Bürgerpark“ zum Verweilen und Erholen entstehen.

Soziales

Kein Bürger und keine Bürgerin darf vom sozialen Netz abgeschnitten werden. Deshalb müssen verstärkt Maßnahmen wie Not- und Sozialwohnungen und individuelle Betreuungsformen geschaffen werden. Zudem sollte die Stadt vor allem den Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten schnell und unkonventionell Unterkunft zur Verfügung stellen und menschenwürdige Lebensbedingungen ermöglichen. Eine humane Gesellschaft darf nicht erlauben, dass soziale Randgruppen für das Lebensnotwendigste auf der Straße betteln müssen.
Ganz wichtig für uns ist ein klares Konzept zur kompetenten Jugendförderung. Hier braucht es sozialpädagogische Betreuung in Problemsituationen, aber auch eine Hinführung zu neuen Kulturangeboten. Das bisherige Engagement der Stadt für Jugendkultureinrichtungen (Karlstorbahnhof, Halle 02, Alte Feuerwache) soll verstärkt werden. Besonders wichtig ist uns dabei die Förderung der nicht-kommerziellen Kulturszene.
Im Hinblick auf die demokrafische Entwicklung brauchen wir bei den Altenpflegeeinrichtungen eine zukunftsweisende Umgestaltung und einen bedarfsgerechten Ausbau des Pflege- und alterspädagogischen Personals. Das Alt-Werden braucht nicht nur Pflege, sondern auch die Schaffung von individuellen Einrichtungen für ein erfülltes und schöpferisches Altern. Wir setzen uns ein für eine Re-Intergration der Älteren in unsere Gesellschaft. Dazu bedarf es eines Ausbaus der vorhandenen Senioreneinrichtungen hin zu generationsübergreifenden Wohnformen (Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser) und aktiven, offenen Nachbarschaftszentren. Außerdem fordert die Zunahme von Demenzkranken auch die Stadtkommune verstärkt dazu auf, hier neue Lebens- und Betreuungsformen zu schaffen.

Heidelberg als Stadt für Freizeit, Unterhaltung und Tourismus

Heidelberg ist natürlich auch ein Ort der Freizeitgestaltung, der Unterhaltung und des Tourismus. Bis in die 70er Jahre hinein prägte eine hohe Anzahl von Kinos (mit bis zu 550 Sitzen), Tanzlokalen, Cafés und Jazzclubs das Heidelberger Stadtbild. Unannehmlichkeiten mit den Bürgern waren so gut wie unbekannt. Dies änderte sich ab Ende der 70er, Mitte der 80er Jahre, eine Zeit, in der das Gemeinwohl den Einzelbedürfnissen immer mehr untergeordnet wurde. Dieses Missverhältnis verstärkte sich so sehr, dass die Selbstdarstellung die soziale Rücksichtnahme immer mehr verdrängt und leider jetzt die Oberhand gewonnen hat. Nur so ist es zu erklären, dass sich ein großer Konflikt zwischen Vergnügen einerseits und Wohnbedürfnis bzw. Lebensqualität andererseits entwickeln konnte. Eine sehr bedauerliche Entwicklung. Wir stehen vor der großen Aufgabe, diese beiden Interessengruppen aufeinander zuzuführen.
Die Stadt Heidelberg darf nicht das Schicksal so vieler südeuropäischer Touristenstädte ereilen, aus denen die Einwohner buchstäblich entfliehen müssen. Ein abschreckendes Beispiel bietet die Stadt Venedig, wo sich der einstige mächtige Stadtstaat von hunderttausenden Einwohnern auf heute 60.000 Menschen verringert hat. Die Bürger werden von Tourismus und Lärm verdrängt, die Stadt in ihrer Grundform geht zugrunde. Vor einem solchen Schicksal eines vom Massentourismus überlaufenen und von Kurz-Touristen überrannten „Old-Heidelberg“, aus dem die Bewohner geflohen sind, soll unsere Stadt verschont bleiben.

Neckarufertunnel - Stadt am Fluss

Der Traum von einem autofreien Heidelberg ist alt. Um diesen Traum zu verwirklichen, müssen weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Die Bundesstraße B37, die unsere Stadt zerschneidet, muss gänzlich „umgeleitet“ werden. Dafür ist ein Tunnel notwendig, der den Verkehr von der Autobahn kommend durch den Königsstuhl ins Neckartal bis hinter Schlierbach oder, besser noch, bis nach Bammental führt.
Der bisher geplante 1,5-1,8 km lange Neckarufertunnel zwischen Bismarckplatz und Karlstor ist allein schon architektonisch inakzeptabel, er würde die attraktive Innenstadt nicht nur in ein 10-jähriges Bau-Chaos stürzen, sondern auch das Stadtbild durch seine bautechnischen Eingriffe bleibend verschandeln. Außerdem würde dieser immens teure Kurzstrecken-Tunnel – über den immer noch 40% des Kraftfahrzeugverkehrs rollen würde – nicht kalkulierbare Folgen bezüglich der Hochwassergefahr mit sich bringen, da die unterirdischen Wasserströme vom Berg nicht mehr dem Neckar zufließen, sondern unter der Stadt gestaut werden würden mit der Gefahr von feuchten Kellern – vom immer wiederkehrenden Hochwasser ganz zu schweigen.
Die Heidelberger Altstadt mit einem Tunnel durch den Königsstuhl vom Autoverkehr zu befreien, wäre ein epochaler Schritt, um diese romantische Stadt von Weltruf – die Verkörperung einer „Europäischen Stadt“ – für die Nachwelt unbeschadet in die Zukunft zu führen. Es wäre unser Vermächtnis für das 21. Jahrhundert. Dafür brauchen wir die hohe Kompetenz von Fachinstanzen, gepaart mit historischem Wissen. Was die Kosten betrifft – man sprach vor Jahren von einer halben Milliarde (DM), an sich nur ein Bruchteil der 7 Milliarden Euro für Stuttgart 21 – so sollten unsere Abgeordneten in Stuttgart und Berlin zusammen mit der Heidelberger Stadtspitze, dies zu einem nationalen Thema machen. Durch eine großangelegte Informationsoffensive – etwa in Form einer Vortragsreihe im Schloss und einer Unterschriftenaktion – für die „schönste Stadt nördlich der Alpen“ soll die Bedeutung Heidelbergs deutschland- und europaweit publik gemacht werden. Die von uns allen ersehnte „Stadt am Fluss“ entsteht dann wie von allein und muss nicht mehr künstlich mit Sand und Palmen vorgetäuscht werden.

Architektur

Innerhalb der verwinkelten Straßen- und Dächerlandschaft der Altstadt bilden die vorhandenen Architekturformen der Gotik und der Renaissance, des Barock und des Jugendstils eine plastisch durchgeformte Einheit in vielfältiger Gliederung. Sie sind innigst verbunden durch die warme Sandsteinfarbe.
Dies alles vermag die moderne Architektur seit etwa 1920 nicht mehr zu leisten. Deren exakt geprägten Formen, scharfen Konturen und die Reihung gleicher Teile sind antiplastisch, wirken erstarrt, monoton und leblos. Sie zersprengen ihr Umfeld optisch und bleiben ein Fremdkörper innerhalb der historischen Altstadt. Anders gesagt, diese Bauformen stehen für sich allein, führen eine eigene Existenz und wollen sich nicht mit den alten Formen versöhnen – sie führen ein eigenes Leben. Das sollen sie auch haben, denn sie kommen schließlich aus einer anderen Welt: der technischen, der Welt der Konstruktion, des Gemachten, nicht des Organisch-Gewachsenen. Auch wir erkennen ihre Bedeutung und Notwendigkeit auf einer überbevölkerten Erde an, wo jeder eine Wohnung braucht - doch als Wegbereiter einer neuen Zeit müssen sie sich an anderer Stelle, außerhalb der alten „Stadtmauern“ und den historischen Stadtzentren bewähren.

Modernität

Modern ist, das Alte zu pflegen und das Kulturerbe unangetastet zu erhalten. Das Alte abzureißen oder neben dem Alten in sichtbarem Gegensatz das Neue zu bauen – wie beim Entwurf des Stadthallenneubaus am Neckarufer – erscheint uns selbstherrlich, provokativ und geschmacklos, als ein Zeugnis von Ignoranz und Lieblosigkeit dem historisch Gewachsenen gegenüber. „Ich hoffe, dass die Diktatur des modernen Stadtbildes bald ein Ende hat,“ so Eva Demski im Deutschlandfunk am 25. 4.2010.